Über Kofferschlösser & Raben auf dem Dach
Der heutige Step beginnt wie immer mit schachfremden Dingen und diesmal haben die auch nur am Rande etwas mit Büsum zu tun.
Unser Nachbar hat einen großen Walnussbaum auf seinem Grundstück stehen und auch dieses Jahr trägt der Baum ziemlich üppig. Viele der Nüsse landen auf der kleinen Zufahrtsstrasse zu uns und über die Zeit holten sich die Eichhörnchen fleißig ihren Wintervorrat. Seit ein paar Tagen schnappen sich auch Raben Nüsse von dort, fliegen auf unser Dach und hacken dort die Schale auf. Geräusche-technisch klingt das als würde jemand mit einem Hammer auf die Dachsteine kloppen – ist zwar ziemlich laut, aber besser Walnuss-fressende Raben auf dem Dach als den blöden Marder, der immer noch versucht, ins Dach zu kommen (bis jetzt zum Glück erfolglos).
Das andere schach-fremde Thema möchte ich als „kann man machen, muss man aber nicht“ bezeichnen. Im Mittelpunkt steht mein treuer Reisebegleiter seit fast 20 Jahren: der lila-farbene Rimowa-Koffer. Beim Auspacken gestern im Hotel kam ich auf die dumme Idee, den Zahlencode zu ändern, weil ich den aktuellen Code nicht mehr wusste. Also: googlen und sich im Netz umgucken, wie so ein Code zu ändern ist. Im Vertrauen auf die Website stellte ich einen neuen Code ein und versenkte zuversichtlich einen der zwei Haken im Schloß. Natürlich ging das Schloß mit dem gerade neu eingestellten Code NICHT auf … Hm, was tun? a) Alle 999 Zahlen ausprobieren? b) An der Rezeption nach einer Zange fragen? c) Einen neuen Koffer kaufen? Erstmal nachdenken schien mir ein guter Anfang zu sein, ebenso die übliche „000“ und meine üblichen Kombinationen auszuprobieren. Ich begann mit Option a) allerdings nur bis 30 denn dann musste Torsten erstmal zur 1. Runde. Das gab mir ein wenig mehr Zeit zum Nachdenken. Das mit Option a) erschien mir zwar sinnvoll, aber sehr zeitaufwendig. Auch die Option mit der Zange hatte einen offensichtlichen Nachteil und in einen neuen Koffer wollte ich auch nicht wirklich investieren. Also weiter nachdenken und eine Runde durch Büsum drehen.
Mein dabei entstandener Lösungsansatz lautete: die Änderung des Codes wurde evtl. nicht angenommen und daher MUSS der alte Code in der Nähe einer meiner üblichen Codes sein. Was soll ich sagen: es kostete mich genau sieben (in Worten 7…) Versuche und das Schloß war auf. Und was habe ich daraus gelernt: Codes merken ist sinnvoll, auch für Koffer.
Vielleicht findet Torsten heute in der 2. Runde den richtigen Code gegen einen Norweger, der immerhin mit einer ELO-Zahl von über 2.140 aufläuft und einen Fidemeister-Titel trägt. So richtig zuversichtlich kam er mir beim Frühstück nicht vor, aber zumindest wird sein buntes Outfit im Spielsaal ein Statement setzen und in dem grau-schwarz-beige-blauen Einerlei auffallen.
Die Partie begann ungewöhnlich und ich konnte diese aber nach einigen Zügen in „normale Bahnen lenken. Ich verbesserte meine Position langsam aber stetig, doch dann begann die Zeit kanpper zu werden und unglücklicherweise befreite ich seinen „blockierten“ Angriffsläufer – wie dumm von mir. Von nun an zeigte mein Gegner sein taktisches Können und am Ende habe ich auch noch das 4-zügige Matt übersehen – Ok, er hat es verdient und ich musste neidlos anerkennen, daß ich nicht den richtigen Code gefunden hatte. Als Trost bleibt: ein erstes Ziel ist erreicht – an Brett 11 spielte ich heute mit direktem Blick auf die Nordsee. Und ein leckeres Eis nach der Partie bei strahlend blauem Himmel ließ die Laune auch wieder steigen.
Für Abends haben wir einen Tisch im „Alten Muschelsaal“ reserviert, laut einem Schachkollegen von hier das beste Fischrestaurant in Büsum. Schon die Einrichtung war sehr stimmig, mit Wanddekos komplett aus Muscheln, dem kleinen Heuler und der historischen Galionsfigur.

