Bericht von vor Ort von Jill Hirtzel
Dieses Jahr treten 7 Kinder und Jugendliche aus dem Elmshorner Schachclub (ESC) bei der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft (DJEM) in Willingen (Hessen) für Schleswig-Holstein (SHO) an.
Mit etwa 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und mehreren hundert Begleitpersonen ist es das größte, spannendste und längste Jugendschachturnier in Deutschland. Austragungsort ist das Sauerland Stern Hotel und die meisten Teilnehmer übernachten auch dort, weil man ein Rundum-sorglos-Paket für die 9 Tage bekommt.
Unsere Teilnehmer haben sich bei der 5-tägigen Landesmeisterschaft in Neumünster in den Osterferien qualifiziert, da es für jede Altersklasse ab U12 meistens nur einen Platz gab. Ab der U14 dauert das Turnier sogar 7 Tage.
Wer sich nicht qualifiziert hat, kann sich aber für die Offene Deutsche Juniorenmeisterschaft (ODJM) bewerben, die es in 4 Schwierigkeitsklassen abhängig von der DWZ (deutsche Wertungszahl) gibt. Dieses Turnier ist für alle Spielerinnen und Spieler unter 25 Jahren offen und es ist eine tolle Möglichkeit, dabei zu sein.
Hierbei ist es wichtig sich schnell anzumelden, denn die Plätze sind sehr begehrt.
Für die ganz jungen Schachbegeisterte gibt es noch das kürzere U8 Turnier, wo unsere Spielerin Nike Posske (U8w) teilnimmt. Das ist ihre erste DEJM und sie ist mit Feuer und Flamme dabei. Für die jüngeren Geschwisterkinder gibt es weiterhin noch das KiKA-Turnier.
Unsere weiteren Teilnehmer sind: Mane Margaryan (U14w), Lucien Ditinger (U12), Amelie Hirtzel (U12w), Emmy Posske und Camille Taris (beide U10w) und Hanna Hirtzel (ODJM Gruppe D). Sie bilden zusammen mit weiteren 51 Spielern das Schleswig-Holstein Team.
Das Turnier wird an 7 Tagen in 9 Runden nach dem Schweizer System gespielt. Jeder Spieler hat eine Grundbedenkzeit von 90 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug. Ist die Zeit bei einem Spieler nach dem 40. Zug abgelaufen, kommt einmalig eine halbe Stunde Bedenkzeit für beide Spieler hinzu. Das bedeutet, dass eine Partie auch mal 5 Stunden dauern kann. Weiterhin gibt es noch zusätzliche Blitz- und Tandemturniere und erstmalig auch Unterwasserschach. Für jeden ist also etwas dabei.
Am vergangenen Samstag sind unsere Teilnehmer nach einer mehrstündigen Anreise mit eigenen PKWs oder mit der deutschen Bahn in Willingen angekommen. Bei der Bahngruppe gab es leider ein paar Pannen, sodass sich die Fahrt um 2 Stunden verzögerte. Es war schon recht stressig für sie noch rechtzeitig zu der großen Eröffnungsfeier zu kommen.
Unser Geschwisterpärchen Emmy und Nike hatte die große Ehre zusammen mit einem weiteren SHO-Teilnehmer die Fahnenträger für den Ländereinmarsch zu sein. Dabei wurde passenderweise der Pokémon-Song „Gotta Catch ‘em All“ gespielt, denn das diesjährige SHO Motto lautet: „Gotta Chess ‘em All“.
Unser Delegationsleiter Malte Ibs (auch ESC) und sein Trainerteam denken sich jedes Jahr ein neues Motto aus und gestalten die Teilnehmer T-Shirts dazu. Mit vollem Einsatz und Leidenschaft kümmern sie sich ehrenamtlich um alle Teilnehmer bezüglich der Vorbereitung und Analyse zu jeder Partie und betreuen auch die Kinder, die ohne Elternteil da sind.
Wir haben auch das große Glück, dass unsere Heimtrainerin Natasa Strizak (ehemalige Weltmeisterin) und Heiko Spaan uns aus der Ferne tatkräftig unterstützen und vorbereiten. Ohne sie wären einige unserer Teilnehmerinnen gar nicht hier. Daher ein riesengroßes Dankeschön an sie.
Am nächsten Tag, am Pfingstsonntag, startete die erste Partie gleich schon um 8:30 Uhr im großen Turniersaal. Wenn man im Saal steht, ist man überwältigt von der Dimension des Turniers. Die Anspannung, Angst und Aufregung spürt man förmlich in der Luft und Gedanken wie: „Schaffe ich das?“ Bin ich gut vorbereitet?“ schwirren in den Köpfen der jungen Teilnehmer.
Schaut man in die angespannten Gesichter der Eltern, weiß man manchmal gar nicht, wer aufgeregter ist: die Kinder oder die Eltern. Und dann haben die Eltern auch noch die harte Aufgabe, die Kinder wieder aufzufangen und zu ermutigen, wenn die Punkte ausfallen. Während dieser Woche fahren die Gefühle und Gedanken bei allen Beteiligten auf jeden Fall Achterbahn.
„Es war toll, Freunde wieder zu sehen und ins Schwimmbad zu gehen.“ (Mane Margaryan)
„Ich freue mich bei der DEJM 2026 zu sein. Ich gebe niemals auf. Egal, was passiert.“ (Lucien Ditinger)
„Bei der DJEM gibt es viele tolle Freizeitangebote, wie zum Beispiel die Fußballländermeisterschaft oder am Nachmittag Werwolf oder die zahlreichen Sportmöglichkeiten. Mit der SHO-Delegation haben wir auch viele tolle Sachen gemacht, wie z.B. Sommerrodelbahn fahren und Eis essen.“ (Amelie Hirtzel)
„Ich finde das Lagunen-Erlebnisbad, was nach 5 Jahren Renovierung wieder geöffnet hat, richtig gut und die Freizeithalle, wo man viele tolle Spiele spielen kann auch.“ (Hanna Hirtzel)
,,Ich fand die Eröffnungsfeier toll und die Spannung im Tuniersaal finde ich gut. Außerdem finde ich die Freizeitaktivitäten toll.“ (Camille Taris)
„Am besten finde ich die Freizeitaktivitäten und das abwechslungsreiche Essen im Hotel-Restaurant. Wenn ich in den Tuniersaal komme bin ich schon aufgeregt.“ (Emmy Posske)
„Die Freizeithalle finde ich am besten und wenn ich in den Turniersaal komme, denke ich: „Gewinne ich, verliere ich oder wird es unentschieden?“ (Nike Posske)
Was es für die jungen Teilnehmer bedeutet an einem so großen Turnier teilzunehmen, können Axel Taris (Papa von Camille) und Jill Fung-Hirtzel (Mama von Amelie und Hanna) in Ansätzen selber nachempfinden, da sie an den Turnieren für Begleitpersonen teilnehmen: Axel beim Dabei-Cup, seinem ersten großen Turnier, und Jill am Mütter-Cup, was erstmalig bei der DEJM stattfindet.
Es fühlt sich wie eine Prüfung an, wenn man unter Turnierbedingungen Schach spielt, wo man auf die Uhr drücken muss, und die Zeit abläuft, alle Züge notiert, und sich immer fragen muss, ob der Zug gut war und was der Gegner Schlimmes plant. Unsere Motivation ist es aber, über uns hinaus zu wachsen und den Kindern zu zeigen, dass wir sie sehr gut verstehen können. Wir ziehen den Hut vor jedem einzelnen Teilnehmer, der dieses Turnier meistert und hoffentlich gestärkt nach Hause geht.
Insbesondere sind wir sehr stolz auf unsere ESC Teilnehmer, die jede Runde wie ein Löwe gekämpft haben und schon einige Punkte holen konnten. Wir wünschen ihnen ganz viel Erfolg für die letzten beiden Runden.
Im nächsten Teil berichten wir über den Ausgang des Turnieres und geben weitere Interessante Einblicke.
Bericht von Jill Fung-Hirtzel am 28.05.2026
