That was it … C U next year
Nachdem Torsten bereits gestern sein Ziel mit 5,0 Punkten erreicht hatte, gingen wir am Abend in das Steakhouse – sozusagen als vorgezogene Belohnung.
Heute morgen schickte ich Torsten für dieses Jahr zum letzten Mal ans Brett ins Watt’n Hus, in seine „Bonusrunde“. Um einen Bonus zu erreichen, müsste allerdings etwas Zählbares gegen einen starken Spieler aus Freiburg herausspringen. Der Nachname des Spielers (Döserich) kam Torsten bekannt vor und laut seiner Unterlagen hat er dieses Jahr in Bregenz gegen einen Herrn Döserich gespielt (und gewonnen). Allerdings wies der heutige Gegner eine im Vergleich deutlich höhere Wertungszahl auf und eine weitere Recherche ergab unterschiedliche Vornamen. Vielleicht sind die Herren miteinander verwandt?
Irgendwann kurz vor 11h – ich war grade beim Kofferpacken – setzte lauter Fluglärm ein. Zwei Militärmaschinen flogen direkt über Büsum raus auf die Nordsee. Auch wenn sie sehr hoch flogen, sie ließen die Fensterscheiben beben, Hunde wurden panisch, der Starenschwarm verließ seinen Stützpunkt auf dem Leuchtturm und viele Menschen blickten besorgt gen Himmel. Sicherlich hat dies auch den einen oder anderen Schachspieler aus der Konzentration gerissen – sie sind ja eine lärmempfindliche Spezie.
Gegen Mittag schlenderte ich mal ins Watt’n Hus und hielt Ausschau nach Torsten. Die Beiden hatten noch keine 20 Züge aufs Brett gezaubert und wirkten ziemlich entspannt. Beim Rausgehen warf ich noch einen kurzen Blick auf die Sonderwertungen des Turniers (z.B. bester Schleswig-Holsteiner, bester unter Wertungszahl 2.000). Mit Platz 14 bzw. 13 vor der letzten Runde wird es eher unwahrscheinlich für Torsten, dort ein Preisgeld abzusahnen. An der Spitze des Gesamt-Tableaus hat ein Spieler aus Österreich die besten Chancen auf den Gesamtsieg; ihm reicht schon ein Remis. Um die anderen Plätze auf dem Stockerl wird es noch ein spannendes Rennen.
Als ich eben auf die Gesamtwertung guckte, kam mir der Name des Führenden aus Österreich bekannt vor. Ein Blick in meine Reisetagebücher ergab: Torsten hat 2019 bei seiner allerersten Partie auf einer Deutschen Seniorenmeisterschaft gegen ihn gespielt (und krachend verloren). Wir haben damals in Radebeul ab und zu mit ihm und seiner Frau in der Hotellobby geplaudert.
Auch in seiner Bonusrunde machte Torsten es nicht unter 4 Stunden. Es wurden dann 4 Stunden, 30 Minuten und ein Remis. Damit ist der Büsum-Rekord eingestellt. In der Partie war wohl sein Springer ein Teufelskerl in der Verteidigung und schütze seinen König vor Ungemach.
Zum Abschied gab es noch eine Zimtschnecke von „Fräulein Franz“ auf die Faust. Einfach lecker.
Zum Glück hatten wir auf dem Zettel, daß wir morgen wegen des Feiertages unseren Kühlschrank zuhause nicht auffüllen können und daß Torstens Schach-Trainerin samt Mutter und 7-monatiger Tochter am Sonntag zu uns zum Kaffeetrinken kommen wird. Torsten hatte ihr dafür seinen leckeren Käsekuchen versprochen. Also musste in Büsum eingekauft werden, um eine am Wochenende drohende Hungersnot abzuwenden und auch die Zutaten für Torstens Käsekuchen zu bunkern.
Auf dem Heimweg machten wir noch einen etwas längeren Boxenstopp bei Freunden in Honigfleth. Das ist ein kleiner Ort in der Nähe von Stördorf. Wenn man als Autofahrer mit 100 km/h das grün/gelbe Ortsschild sieht und sofort vom Gas geht, ist man beim Erreichen der 50 km/h schon wieder draußen oder wie einer meiner Ex-Kollegen aus England sagen würde, „a one-horse-town“.
Beim Durchlesen meiner diesjährigen Berichte aus Büsum bin ich nicht ganz zufrieden mit meinem Schreibstil und es gab auch nix aus der Rubrik „unnötiges Weltwissen“. Vielleicht liegt es daran, daß es das fünfte Mal Büsum ist? Zumindest ist der Wunsch der Überschrift zu dieser Reise in Erfüllung gegangen: es gab kein Sturmtief und mit Ausnahme des gestrigen Nachmittags war das Wetter einmalig sonnig und warm.

